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Ost-West oder Süd? Was 98.569 Dächer zeigen

Ein Süddach bringt pro installiertem Kilowatt am meisten Strom – im Landkreis Freising rund 1.160 kWh im Jahr. Ost- und Westdächer liefern pro Kilowatt etwa 19 Prozent weniger. Weil auf ein Ost-West-Haus aber meist beide Dachhälften passen, erzeugt das typische Ost-West-Haus im Jahr 34 Prozent mehr Strom als das typische Süd-Haus. Das zeigt unsere Auswertung aller 122.891 Gebäude im Landkreis.

Eigene Auswertung, Stand 2. November 2026. Daten: 3D-Gebäudemodell LoD2 der Bayerischen Vermessungsverwaltung, Einstrahlung PVGIS. Methode unten.

Wie viel Sonne jede Himmelsrichtung bekommt

Wir haben für jede der 272.216 Dachflächen im Landkreis die Sonneneinstrahlung über ein typisches Jahr gerechnet, mit dem Schatten von Nachbarhäusern und Gelände. Zusammen sind das 17,5 Millionen Quadratmeter Dach. Das Diagramm zeigt die mittlere Einstrahlung je Quadratmeter, verglichen mit Süddächern.

AusrichtungAnteil der DachflächekWh/m² im JahrgeeignetkWh je kWp
Süd14,6 %1.35673 %1.160
Südost6,1 %1.29972 %1.114
Südwest6,3 %1.27372 %1.090
Ost9,4 %1.09870 %948
West9,4 %1.08269 %936
Nordost6,3 %88033 %860
Nordwest6,0 %85427 %857
Nord14,6 %76615 %844
Flachdach27,3 %1.15648 %1.028

Südost- und Südwestdächer liegen nur 4 bis 6 Prozent unter Süd – für die Wirtschaftlichkeit fast kein Unterschied. Ost- und Westdächer bekommen etwa ein Fünftel weniger Sonne je Quadratmeter, Norddächer fast die Hälfte weniger. Deshalb ist nur rund 15 Prozent der Nordflächen nach unseren Kriterien geeignet, aber rund 70 Prozent der Ost- und Westflächen.

„Geeignet“ heißt bei uns: mindestens 900 kWh pro Quadratmeter und Jahr, zusammen mindestens 10 Quadratmeter und höchstens 60 Grad Neigung. Die Spalte „kWh je kWp“ ist der erwartete Jahresertrag pro installiertem Kilowatt auf den geeigneten Teilen der Flächen.

Das Ost-West-Paradox: weniger je Modul, mehr je Haus

Ein Haus mit Süddach kann meist nur eine Dachhälfte sinnvoll belegen, die Nordseite bleibt leer. Bei einem Haus mit Ost-West-Dach sind beide Hälften ähnlich gut. Wir haben deshalb Gebäude verglichen, deren geeignete Flächen nur nach Süden (auch Südost, Südwest) oder nur nach Osten und Westen zeigen:

TypGebäudetypische LeistungkWh je kWptypischer Ertrag im Jahr
Süddach50.29611,0 kWp1.10112.168 kWh
Ost-West-Dach14.39417,4 kWp92816.282 kWh
nur Flachdach16.4545,5 kWp9835.433 kWh

„Typisch“ ist jeweils der Median: Die Hälfte der Gebäude liegt darüber, die Hälfte darunter. Nur Gebäude mit mindestens 3 kWp geeigneter Fläche.

Pro Kilowatt bringt das typische Ost-West-Haus 16 Prozent weniger als das typische Süd-Haus. Weil aber deutlich mehr Leistung aufs Dach passt, erzeugt es im Jahr 34 Prozent mehr Strom. Dazu kommt ein Vorteil, den die Jahressumme nicht zeigt: Ost-West-Anlagen liefern morgens und abends mehr und mittags weniger. Das passt besser zum Verbrauch eines Haushalts, erhöht den Eigenverbrauch und senkt die Einspeisung zur Mittagszeit, in der neue Anlagen bei negativen Börsenstrompreisen keine Vergütung bekommen.

Für die Wirtschaftlichkeit heißt das: Wer ein Ost-West-Dach hat, sollte nicht nur eine Seite belegen. Die Module kosten pro Kilowatt gleich viel, aber Gerüst, Planung und Netzanschluss fallen nur einmal an – eine größere Anlage auf beiden Seiten senkt meist die Kosten je Kilowatt.

Welche Neigung am besten ist

NeigungSüd: kWh/m²Ost/West: kWh/m²
10–20°1.3141.164
20–30°1.3631.140
30–40°1.3781.088
40–50°1.3511.030
50–60°1.282951

Bei Süddächern liegt das Optimum zwischen 30 und 40 Grad – das ist die Neigung vieler Satteldächer in Bayern. Flachere und steilere Süddächer verlieren nur wenige Prozent. Bei Ost- und Westdächern ist es umgekehrt: Je flacher, desto besser, denn ein steiles Ostdach schaut nur am Morgen in die Sonne. Zwischen 10–20 und 50–60 Grad liegen hier rund 18 Prozent.

Flachdächer: unterschätzt

Mehr als ein Viertel der Dachfläche im Landkreis ist flach – vor allem Garagen, Anbauten, Mehrfamilienhäuser und Gewerbe. Auf der liegenden Fläche bekommen sie 85 Prozent der Sonne eines Süddachs. In der Praxis werden Module dort aber aufgeständert und nach Süden oder Ost-West ausgerichtet; der echte Ertrag ist dann höher als in unserer Tabelle, die die Fläche so rechnet, wie sie liegt.

Was das für Ihr Haus heißt

Durchschnitte helfen bei der Einordnung, entscheiden aber nicht über Ihr Dach. Ein Süddach im Schatten einer Scheune kann schlechter sein als ein freies Ostdach. Auf der Seite Solarpotenzial Ihres Dachs sehen Sie für jedes Haus im Landkreis Freising jede Dachfläche einzeln, mit Ertrag und Amortisation. Zahlen für einzelne Gemeinden: Freising, Moosburg a.d.Isar und Neufahrn b.Freising.

Methode

Grundlage sind alle Gebäude des 3D-Gebäudemodells LoD2 im Landkreis Freising (Stand der Lieferung der Bayerischen Vermessungsverwaltung). Für etwa einen Rechenpunkt je Quadratmeter Dach haben wir den Horizont in 36 Richtungen aus Gebäuden und dem Geländemodell DGM1 bestimmt und die Einstrahlung für jede Stunde eines typischen Wetterjahrs von PVGIS summiert (diffuses Licht nach Hay und Davies). Ein unverschattetes Süddach mit 35 Grad liegt in unserer Rechnung 3,1 Prozent unter dem Wert von PVGIS. Ausrichtung in acht Sektoren zu je 45 Grad; Flächen unter 10 Grad Neigung zählen als Flachdach. Der Ertrag je kWp nimmt 0,2 kWp je Quadratmeter und einen Systemwirkungsgrad von 0,85 an. Bäume, Gauben und Schornsteine sind nicht enthalten. Gebäude in den Randkacheln, die außerhalb des Landkreises liegen, sind nicht mitgezählt; die Gemeindegrenzen stammen aus OpenStreetMap.

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